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Bleibt die deutsche Bildungspolitik auf der Strecke?


RHEINPFALZ ONLINE, Montag, 03.02.2003
Diskussion über diese Frage beim Verbandstag der Deutschen Burschenschaft in Landau - Absage an "Gleichmacherei" Nach 1988 wieder zum ersten Mal war die Deutsche Burschenschaft am Wochenende in die Stadt zurückgekehrt, in der vor knapp 50 Jahren der erste von insgesamt 25 Burschentagen in der Nachkriegszeit stattgefunden hat. Möglich machte dies die Organisations- und Strukturreform der deutschen Burschenschaft, die neben dem traditionellen Burschentag alljährlich an wechselnden Orten eine Verbandstagung vorsieht. Bei der Podiumsdiskussion in der Festhalle stand die Bildungs- und Hochschulpolitik im Mittelpunkt. Unter der Diskussionsleitung von Prof. Dr. George Turner, früherer Präsident der Universität Stuttgart-Hohenheim, wurde vor allem unter dem Aspekt "Pisa und die Konsequenzen" der Frage nachgegangen, ob die deutsche Bildungselite auf der Strecke bleibe. Für den bildungspolitischen Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Christoph Hartmann, ist über Pisa mittlerweile sehr viel geredet worden, Taten seien allerdings nicht erfolgt. Das Ergebnis in den drei Leistungskategorien Lesen, Rechnen und Naturwissenschaften zwinge die deutsche Bildungspolitik - von wenigen Ausnahmen abgesehen - zum Offenbarungseid. Leistung dürfe in Deutschland nicht länger als etwas Schlimmes eingeordnet werden, wenn Deutschland im internationalen Vergleich nicht immer mehr an Boden verlieren wolle. Nach seiner Ansicht ist an den Schulen für die individuelle Betreuung der Kinder wieder mehr Zeit erforderlich. Gleichzeitig gehe es um die Stärkung der Autonomie der Universitäten und Schulen. Eine deutliche Absage erteilte Hartmann dem Versuch, den Föderalismus in der Bildungspolitik in Deutschland auszuhebeln. Auch künftig sei der bildungspolitische Wettbewerb der Bundesländer wichtig. Ziel dieses Wettbewerbs müsse sein, dass jedes Bundesland seine Bildungs- und Wissenschaftspolitik darauf ausrichte, künftig die besten Schulen und ein zukunftsorientiertes Schulsystem sowie die in Forschung und Lehre besten Hochschulen vorweisen zu können. Nur so sei der schon in die Verschulung und forschungsmäßige Verflachung von deutschen Universitäten rollende Zug noch aufzuhalten. Dr. Fritz Marz als Vertreter der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hält den Leistungsgedanken für wichtig. Pisa habe die Notwendigkeit der Leistungskontrolle deutlich werden lassen. Er schlug vor, bereits in den Kindertagesstätten die Stärken und Schwächen des Kindes auszumachen und darauf einzugehen. Nach Ansicht von Dr. Astrid Winter, ehemalige Vorsitzende des Rings Christlich-Demokratischer Studenten in Hessen, hat man in Deutschland viel zu lange durch eine falsche Politik an den Bildungsideologien der sechziger und siebziger Jahre festgehalten. Eine deutliche Absage an die in den zurückliegenden Jahren favorisierte "Gleichmacherei in Deutschland" erteilte Jens-Markus Sanker, Verbandsobmann der Deutschen Burschenschaft für Hochschulpolitik. Er forderte die Rückkehr zu den Wurzeln der deutschen Bildungspolitik und sprach sich dabei klar für ein differenziertes Schulsystem in Deutschland aus. Nach seiner Meinung hat es in Deutschland in der jüngsten Vergangenheit eine Entwertung des Abiturs gegeben. Die Anforderungen müssten wieder angehoben werden. Die Hauptschule müsse dabei wieder zu ihrem ursprünglichen Stellenwert zurückkehren. Auch er forderte den Wettbewerb und mehr Transparenz in den Schulen. Was heute selbst bei Abiturienten fehle, sei ein vernünftiges Allgemeinwissen und die Fähigkeit zu methodischem Arbeiten. Im Mittelpunkt des Festkommerses stand am Samstagabend die Festrede von Werner Kuhn, dem FDP-Fraktionsvorsitzenden im rheinland-pfälzischen Landtag. Er setzte sich mit dem Thema "Werte und Wertewandel im vereinten Deutschland" auseinander. Am Sonntagmorgen besichtigten die Teilnehmer der Landauer Tagung noch das Hambacher Schloß. (som) RON - RHEINPFALZ ONLINE, Montag, 3. Feb , 03:45 Uhr
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