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Nicht immer muss es ein Schmiss sein


Braunschweiger Zeitung?, 23.05.2003
Nicht immer muss es ein Schmiss sein
"Alte Burschenschafter" räumen mit Vorurteilen auf
Von Harald Meyer

PEINE . Mitte der 50er-Jahre in Peine: Die "Vereinigung Alter Burschenschafter" (VAB) lädt die Abiturienten des Ratsgymnasiums ein, um sich ihnen vorzustellen - darunter auch Heinrich Gödecke aus Eixe. "Viele aus meinem Abiturjahrgang sind in Burschenschaften eingetreten", erinnert sich der 67-Jährige, der in Braunschweig Chemie studiert hat. Heute ist der Landwirt aus Eixe einer von 34Mitgliedern der VAB Peine. Ihre Studentenzeit liegt zwar schon Jahre - zum Teil Jahrzehnte - zurück. Dennoch: Mit leuchtenden Augen hält die VAB Rückblende, versetzt sich mit amüsanten Geschichtchen zurück in die Vergangenheit. Dr.Rainer Döring hat Ende der 60er-Jahre, zur wilden Zeit der Studentenbewegung, in Göttingen Biologie und Chemie gebüffelt. Kommilitonen hätten ihn damals "aufs Haus" - also ins Gebäude der Burschenschaft "Brunsviga Göttingen" - geführt. "Aufs Haus ist schon richtig, so wie man beim Freischießen aufs Zelt geht", lacht Döring. Zur Kritik am Vietnamkrieg habe er "keinen Draht" gehabt, Sitzdemonstrationen waren aber drin. "In der Mensa gab es schon mal Randale", erinnert sich FDP-Mitglied Döring. Als Jürgen Steinmann - Vorsitzender der VAB Peine - 1958 mit dem Studium in Hannover begann, "war ich in der Masse der Studenten einer von vielen". An der Burschenschaft (Hannoversche Burschenschaft Ghibellinia Leipzig) reizte den Gadenstedter, "Orientierungshilfe" zu bekommen. Noch heute für viele Studenten ein Motiv, sich dieser Gemeinschaft anzuschließen. Vor der Aufnahme steht bei vielen Burschenschaften das Fechten einer Mensur. "Harmloser, als oft geschildert wird", beruhigt Döring (59). Denn beide Kontrahenten seien "so geschützt, dass es nicht zu lebensgefährlichen Verletzungen kommen kann". Dennoch, aufregend ist es doch. "Während meines Zweikampfs dachte ich schon, ich blute, aber es war nur Schweiß", lacht Steinmann, der 69-Jährige war Leiter der Grundschule Ölsburg. Und Carsten Krug, der in den 90er-Jahren in Passau Jura studiert hat ("Markomannia Wien zu Passau"), ergänzt: "Bei einer Mensur gibt es ein ganz besonderes Ritual - das ist ein mulmiges Gefühl." Eine Verletzung am Kopf (Schmiss) hat der 33-Jährige davongetragen: "Das Nähen der Wunde hat wehgetan, denn es ging ohne Betäubung ab." Dennoch ist der Rechtsanwalt, der in Groß Ilsede wohnt, überzeugt: "Wer wirklich in eine Burschenschaft will, den schreckt die Mensur nicht ab." Abschrecken lassen dürfen sich Burschenschafter auch nicht vom Wahlspruch ihrer Organisation ("Ehre - Freiheit - Vaterland"), der unabhängig vom wetterwendischen Zeitgeist gilt. An vielen Universitäten, weiß Krug, verteilt der "Allgemeine Studierendenausschuss" (Asta) zwar Handzettel, in denen Burschenschaften in die rechte oder gar rechtsextreme Ecke gestellt werden. "Dabei gibt es bei uns Mitglieder quer aus allen Parteien", hält Döring dagegen und verweist auf die Burschenschafter Otto Schily (SPD/Innenminister) und Karl Marx. "Saufen bis zum Umfallen, schlagen, bis es blutet, und hassen Frauen" - lautet ein weiteres Klischee zu solchen Studentenorganisationen. Döring rückt zurecht: "In Burschenschaften wird soziales Verhalten geübt, die Mitglieder lernen, sich zu benehmen und Verantwortung zu übernehmen." betont der Leitende Regierungsschuldirektor aus Peine. Und Gödecke ("Arminia Gothia") verweist darauf: Bei den Zusammenkünften der Burschenschaften (Konventen) "trinke ich nur Wasser".
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