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Debatte um Berufsarmee


Thüringer Allgemeine, Montag, 26.05.2002
Debatte um Berufsarmee EISENACH. Ohne weitreichende Beschlüsse endete der Burschentag - die jährliche Verbandstagung der 120 aktiven Korporationen aus Deutschland und Österreich im Dachverband der Deutschen Burschenschaft - am Wochenende in Eisenach. Dies musste Franco Andolfo als Sprecher der bis 1. Juli amtierenden Vorsitzenden Burschenschaft "Wiener akad. B! Albia" einräumen. An den zweitägigen Debatten in der Werner-Assmann-Halle hatten sich etwa 600 Teilnehmer fast aller deutschen Universitäten, Hoch- und Fachhochschulen beteiligt. Der Burschentag sei vor allem darauf bedacht gewesen, die im Vorjahr begonnene finanzielle Konsolidierung fortzuführen. "Dass wir großartige politische Beschlüsse gefasst hätten, war heuer nicht der Fall", so Andolfo, "zumal viele Anträge vor Beginn zurückgezogen oder aus formalen Gründen abgewiesen worden waren." Dies bedauerte auch Karsten Rausch von der "Burschenschaft der Märker" aus Potsdam. Rausch ist Pressereferent der Deutschen Burschenschaft: "Schon wegen der zeitgleich in Eisenach abgehaltenen Kultusministertagung war es schade, dass wir uns zu aktuellen politischen und hochschulpolitischen Fragen nicht positionieren konnten. Dabei hätte sich herausstellen können, dass wir von den Kritikern, die gegen die Hochschulpolitik demonstriert haben, so weit gar nicht entfernt sind!" Wenig Konsens erzielte die während des Burschentages geführte "Generaldebatte zur Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik und zum Wehrwillen der Mitglieder", bei der sich Befürworter und Gegner internationaler Kampfeinsätze der Bundeswehr wie in Afghanistan sowie in der Diskussion um die Einführung einer Berufsarmee in der Bundesrepu- blik die Waage hielten. Ungeachtet unterschiedlicher Positionen hätte die Debatte aber gezeigt, dass der Wunsch der Burschenschafter, für ihr Vaterland einzustehen, nach wie vor ungebrochen sei, so Andolfo. "Die Tradition in Deutschland ist für die Schaffung einer Berufsarmee allerdings nicht geeignet", unterstrich Rausch und erneuerte im Namen der Deutsche Burschenschaft die Forderung nach einer "allgemeinen Dienstpflicht" für alle jungen Männer und Frauen, um Wehrgerechtigkeit in Deutschland wieder herzustellen. "Wir haben wohlwollend zur Kenntnis genommen, dass der CDU-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Friedrich Merz, diesen Vorschlag jetzt endlich übernommen hat", so Rausch. Im kommenden Jahr werde ein Beschluss des Burschentages zur Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht erwartet. Die Vorsitzende Burschenschaft "Wiener akad. B! Albia" erntete Lob für das abgelaufene Geschäftsjahr, nachdem sie den Vorsitz im vergangenen Jahr kurzfristig übernommen hatte. Es sei den Österreichern gelungen, den wirtschaftlich schwächelnden Verband wieder auf Kurs zu bringen. Diese Aufgabe übernimmt im kommenden Geschäftsjahr nun die Burschenschaft "Hilaritas Stuttgart", die mit überwältigender Mehrheit auf dem Burschentag gewählt worden war. Klaus-Peter KASCHKE
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