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Der Crash muß kommen!
Aula-Gespräch mit Univ. Prof. Dr. Eberhard Hamer
AULA: Was verstehen Sie unter Globalisierung?
Hamer: Globalisierung ist Weltdimension – ganz neutral. Es gibt Weltdimensionen im ökonomischen Bereich, das ist die Weltwirtschaft, es gibt sie im politischen Bereich, das ist die Weltherrschaft, und es gibt sie im kulturellen Bereich. Im wesentlichen ist aber die Globalisierung ein politisches und ökonomisches Thema und hat dazu geführt, daß die politische von der ökonomischen Ebene überwölbt wurde.
AULA: Was hat für Folgen für die – nach Meinung des Normalbürgers noch vorhandenen – Nationalstaaten?
Hamer: Die Globalisierung kann eine nationale Separation nicht gebrauchen, sie will den Einheitsbürger, den Weltbürger, und bekämpft deshalb alle Abgrenzungsstrukturen. Der Nationalstaat ist eine solche Struktur, die der Globalisierung zuwiderläuft. Folglich wird überall in der Welt jede nationale Bewegung bekämpft und als „rechts“ oder rückständig abgetan. Die Nationalstaaten erodieren praktisch in der Globalisierung.
AULA: Sie reden von einem kommenden wirtschaftlichen Zusammenbruch. Was passiert bis zu diesem Zusammenbruch, und was passiert danach?
Hamer: Wir haben in dem Buch „Was passiert, wenn der Crash kommt?“ gesagt: Der Crash muß kommen, weil die Politik nicht in der Lage ist, die Weltsituation zu korrigieren. Die ökonomischen Ungleichgewichte sind dominierend und liegen über den politischen Dimensionen, so daß sie nur ökonomisch wieder beseitigt werden können. Da aber die Akteure das nicht selbst machen, wird die Korrektur über den Markt kommen, und zwar zwanghaft. Wir haben in den achtziger und neunziger Jahren eine Scheinblüte erlebt, wie in den zwanziger Jahren, was zu einer so großen monetären Blase geführt hat, daß sie korrigiert werden muß – die Krise muß also kommen. Wir müssen wieder zur Normalität kommen, das heißt Geldkreislauf und Güterkreislauf müssen sich entsprechen. Zur Zeit hat sich der Geldkreislauf vervierzigfacht, der Güterkreislauf vervierfacht, also ist ein ungeheurer Korrekturbedarf da. Wir sehen den Korrekturbedarf aber nicht als ein großes Unglück an, sondern wie den Winter als eine Regeneration. Die Krise muß kommen, die Frage ist: Wie wird sie kommen?
Und das haben wir in dem Buch mit fünfzig Experten erarbeitet, und zwar in jedem Bereich. Wir haben uns Gedanken gemacht, wie die Veränderungen bis zur Krise und in der Krise aussehen werden, und wir glauben da relativ sichere Prognosen erstellt zu haben, weil wir sie abgestimmt haben an allen bisher abgelaufenen Krisen.
Und wir können sagen, daß die meisten Krisen relativ kongruent verlaufen sind.
AULA: Was soll man Ihrer Meinung nach als Normalbürger in dieser Zeit tun?
Hamer: Wenn wir wissen, daß der größte Korrekturbedarf in den monetären Werten stattfinden muß, müssen wir aus den monetären Werten raus in die Sachwerte. Die monetären Werte haben sich in den letzten Krisen immer um neunzig Prozent entwertet, die Sachwerte hingegen nur um etwa fünfzig Prozent. Wer also aus monetären Werten in Sachwerte geht, der verliert weniger, als wenn er bei monetären Werten bleibt. Ein einziges Gut hat allerdings bei allen Krisen gewonnen: das Gold. Gold steigt in der Krise, fällt allerdings wieder, wenn die Krise vorbei ist.
AULA: Der Mittelstand zahlt die Zeche für das bewegliche Großkapital mit all seinen Folgen. Sollte der Mittelstand nicht versuchen, sich vereint dagegen zur Wehr zu setzen, anstatt alleine durchzukommen?
Hamer: Die Leute aus dem Mittelstand sind Individualisten. Sie sind sehr schwer zu organisieren, tun dies im Grunde genommen nur in der Not. Solche Not haben wir noch nicht. Jede Revolution ist aber aus dem Mittelstand gekommen – die Oberschicht macht Putsche, die Unterschicht läuft mit –, mit anderen Worten ist für die Herrschenden der Mittelstand die gefährlichste Gruppe. Wenn es dem Mittelstand richtig dreckig geht, wird er reagieren. Was wir bis dahin tun können, ist nur, uns auf die Krise vorzubereiten und zu versuchen, die Freiheiten, welche die „global players“ inzwischen errungen haben und die sie von den Staaten unabhängig gemacht haben, nachzumachen. Für viele wird es darauf ankommen, ihr Vermögen oder ihr Einkommen und ihre Gewinne in Sicherheit zu bringen vor dem Staat, der nicht die Konzerne oder die Arbeiterschaft, sondern den Mittelstand ausbeutet.
AULA: Heißt das in übertragenem Sinne, daß beispielsweise die politische Korrektheit als Instrument vor allem auf das leistungsbewußte und risikobereite Unternehmertum gerichtet ist?
Hamer: Ich glaube nicht, daß die politische Korrektheit nur den Mittelstand betrifft, sondern sie ist ein Herrschaftsinstrument, mit dem die „global players“ oder die dahinterstehenden Weltmächte ihre geistige Herrschaft betreiben wollen. Brzezinski hat einmal gesagt: „Hollywood und Coca-Cola haben mehr zur Ausbreitung der amerikanischen Macht getan als das amerikanische Militär.“ Insofern ist die politische Korrektheit ein Instrument der Weltmachtpolitik.
AULA: Was haben wir als Deutsche der systematischen Zerstörung von Familie, regionalem und nationalem Zusammenhalt entgegenzusetzen?
Hamer: Eine ganze Menge. Ein Gutteil unserer Bevölkerung besteht aus Christen, die haben noch Werte, die haben auch noch Familie. Letztlich haben auch die Sozialisten noch eine eigene Idee, auch wenn man sie für falsch halten kann. Der aber breite Streubereich derjenigen Leute, die überhaupt keine Ideen haben, die „Libertinisten“ bzw. Egoisten, wird von der Wertekrise und der allgemeinen Krise am meisten betroffen sein. Wer in der Krise zum Beispiel keine Familie hat, steht allein, dem hilft niemand. Insofern ist die Wertelosigkeit, die Familienlosigkeit und Ziellosigkeit in Zeiten des wirtschaftlichen Booms tragbar, in der Krise wird sie zum Bumerang.
AULA: Ex-Notenbankchef Alan Greenspan spricht von einer Euro-Dollar-Fusion. Wie wird das Ihrer Meinung nach vonstatten gehen?
Hamer: Offenbar nimmt Greenspan an, daß die Dollarherrschaft nicht mehr lange hält und daß der übermäßig mißbrauchte Dollar zusammenfällt, da ihm längst keine Werte mehr gegenüberstehen. Er hat einmal in einem kleinen Kreise gesagt, daß man dann den Eurodollar gründen müsse, wenn der Dollar nicht mehr zieht.
Dies wird natürlich wieder in einer Bank gemacht, die den herrschenden Gruppen gehört, zum Beispiel der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die ursprünglich eine von Staaten gegründete Bank war und inzwischen auch Privatbank ist. Würde diese Bank einen neuen Eurodollar gründen und wieder private Finanzmächte die Herren dieser neuen Währung sein, würde das gleiche Spiel des Mißbrauchs, was wir bisher gehabt haben für die nächsten dreißig, vierzig Jahre wiederum beginnen. Unsere Forderung deshalb: Wir dürfen nur eine Zentralbank haben, die – völlig unabhängig – nur der Währungsstabilität verpflichtet ist, nicht aber privaten und oder öffentlichen Interessen.
Quelle: DIE AULA 03/2006