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Michael Buback: Bundesanwaltschaft schützt Ex-Terroristin
Von Bernhard Hertlein
Bielefeld (WB). Wer erschoss am 7. April 1977 in Karlsruhe den damaligen Generalbundesanwalt Siegfried Buback? Aus der Sicht von Bubacks Sohn Michael war es einer nicht: der Terrorist Knut Folkerts, der von der Generalbundesanwaltschaft des Mordes bezichtigt und vom Gericht als einer der Täter verurteilt wurde.
Bubacks Verdacht: Die Generalbundesanwaltschaft wusste, dass Folkerts nicht der Schütze war. Sie hielt die Nachricht jedoch zurück - vermutlich, um ihre Informantin Verena Becker zu schützen. Dass es eine Verbindung von der Top-Terroristin der linksextremen »Bewegung 2. Juni« und dem Verfassungsschutz gab, wurde inzwischen auch von der Behörde eingeräumt.
Prekär an der Sache ist, dass ausgerechnet Becker heute mehr denn je im Verdacht steht, an vorderster Front an dem Attentat auf Siegfried Buback beteiligt gewesen zu sein. Dafür sprechen acht Zeugen, die alle in dem Folkerts-Prozess nicht zu Wort gekommen sind. Übereinstimmend erklären sie, in Tatortnähe eine zierliche Frau gesehen zu haben. Die Beschreibung passt auf Verena Becker, die aktuell Beschwerde gegen ihre Untersuchungshaft eingelegt hat. Möglicherweise hat Becker sogar die tödlichen Schüsse abgegeben. Ein Haar, das in einem der zurückgelassenen Motorradhelme gefunden wurde, kann Becker zugeordnet werden. Zudem wurde ein Suzuki-Schraubendreher, der nach der Tat im Werkzeugkasten des Motorrades fehlte, in der von Becker und Günter Sonnenberg gemeinsam genutzten Wohnung gefunden.
Prekär ist auch, dass die Verbindung von Becker zum Verfassungsschutz nicht, wie bisher eingeräumt, im März 1980, sondern schon Anfang 1978 - also nicht mal ein Jahr nach dem Attentat - zustande kam. Becker war damals in Kassel inhaftiert und bekam oft Besuch von einem »Pfarrer« - in Wirklichkeit wohl von einem Mitarbeiter des Verfassungsschutzes.
Erst der Film »Der Baader-Meinhof-Komplex« und die anschließende Diskussion mit Anne Will in der ARD, dann die Premiere des Theaterstücks »Buback« von Wolfgang Spielvogel in Frankfurt, schließlich ein Vortrag vor der Burschenschaft Normannia-Nibelungen am Sonntag in Bielefeld: Michael Buback, Autor des Buchs »Der zweite Tod meines Vaters«, ist in jüngster Zeit wieder ein gefragter Mann. Er sagt: »Lieber wäre mir, wenn der Sachverhalt endlich konsequent und nachhaltig aufgeklärt würde.« Die Behörden ließen Michael Buback 30 Jahre im Glauben, dass Folkerts den Vater erschoss, während Sonnenberg das Motorrad und Christian Klar das Fluchtauto steuerte. Dann kam ein Anruf des Ex-Terroristen Peter-Jürgen Boock. Nicht Folkerts sei der Todesschütze, sondern Stefan Wisniewski. Erst danach begann Buback weitere Nachforschungen, bei denen Becker immer weiter in den Verdacht geriet.
Der Chemie-Professor an der Uni Göttingen macht nicht den Eindruck eines Mannes, der das Trauma seines Lebens aufarbeitet. Der Vater ließ für den Staat sein Leben, und er versteht nicht, warum dieser Staat mit solcher Nachlässigkeit ermittelte. Mehr noch: Warum er die mutmaßliche Mörderin schützt. Dabei geht es Buback außer um eine Verurteilung der inzwischen 57-jährigen, die wegen anderer Verbrechen 14 Jahre in Haft verbracht hat, um die Veröffentlichung der 300-seitigen Akte aus dem Jahr 1982. Dabei könnte zu Tage treten, dass führende Verfassungsschützer mehr wussten als derzeit noch vorstellbar ist. »Wir müssen Denkschranken einreißen«, sagt Buback. »Wer hat vor der Aufdeckung des Stasi-Spitzels und Mörders von Benno Ohnesorg, Karl-Heinz Kurras, für möglich gehalten, dass es eine so enge Verbindung zwischen dem ostdeutschen Geheimdienst und der Szene im Westen gegeben hat?«
Quelle: WESTFALEN BLATT, 30.11.2009