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70 Jahre Bismarck-Kommers in Bielefeld


Am 19.03.2010 fand in Bielefeld zum 70. Mal der Bismarck-Kommers der Bielefelder Korporationen statt. Den 200 Kommersteilnehmern in der Bielefelder Stadthalle standen vor der Türe etwa 40 Demonstranten aus der linken Szene gegenüber. Der nachfolgende Beitrag soll sowohl über den Kommers berichten, als auch exemplarisch das Vorgehen der Linksextremen darstellen.

Der Bismarck-Kommers ist die einzige gemeinsame Veranstaltung der Bielefelder Korporationen und findet jährlich im März unter wechselnder Leitung statt. Federführender Ausrichter war diesmal die Bielefelder Altherrenvereinigung des VDSt unter der organisatorischen Führung von Dr. Klaus Schleicher. Es chargierten der VDSt Bielefeld mit zwei weiteren VDSt-Aktivitates gemeinsam mit der Bielefelder B! Normannia-Nibelungen, dem Corps Baltica-Borussia Danzig im WSC und der Alten Leipziger Turnerschaft Hansea im CC. Fast schon traditionell verweigerte die Aktivitas der Akademischen Verbindung Sparrenberg im CV die Entsendung einer Chargenabordnung mit der Begründung, man wolle nicht gemeinsam mit dem DB-Bund Normannia-Nibelungen chargieren. Diese offizielle Haltung ist sehr zu bedauern, zumal einige CV-Aktive durchaus Kontakt zur Normannia-Nibelungen suchen und halten.

Für deutschen Wertekanon

In der Rede des diesjährigen Festredners, Matthias Büchner, fand die Anwesenheit linksextremer Gegendemonstranten vor der Bielefelder Stadthalle kurze Erwähnung. Büchner war DDR-Dissident und bot den Demonstranten unter tosendem Beifall der Kommersteilnehmer an: „Die können mich gerne einladen“. Er würde mit ihnen dann ein Seminar über Verfassungsrecht halten.

Matthias Büchner wurde in Erfurt geboren, ist gelernter Gärtner und studierte Theologie. Heute betreibt er ein eigenes Kunstatelier. 1989 gründete Büchner die Gruppe „Neues Forum“ und saß bis 1994 im Landtag von Thüringen.

Überraschend für seine Zuhörer war die Feststellung Büchners, daß die SED und damit auch ihre Nachfolgeorganisationen rein rechtlich nicht existiert hätten. Die SED habe keine Lizenz der Kriegssieger erhalten und habe sich auch nicht als Körperschaft legitimiert. Er regte daher mit einem Augenzwinkern Regreßforderungen ehemaliger Mitglieder an die Partei an.

Büchner betonte die unermeßliche Freiheit, die sich im Gegensatz zur DDR daraus ergebe, in einem demokratisch verfaßten Staate zu leben. Er warnte davor, den Prozeß der sogenannten europäischen Integration af dem derzeitigen Wege fortzusetzen. Vor allem, dürfe die deutsche Identität der EU nicht geopfert werden. „Ich möchte ein starkes, selbst identifizierbares Deutschland, das seinen erkämpften und erlittenen Wertekanon erhält“, meinte der einstige DDR-Bürgerrechtler. Er verteufelte die DDR jedoch nicht pauschal. So habe es seiner Ansicht nach zahlreiche soziale Errungenschaften gegeben, die ohne Not aufgegeben worden seien. 

Weitere hochrangige Gäste neben dem Festredner Matthias Büchner waren auf dem 70. Bismarck-Kommers der Bielefelder Bürgermeister Detlef Helling (in Vertretung des Oberbürgermeister), Prof. Dr. Helmut Steiner (Geschäftsführer der Universitätsgesellschaft), MdB Lena Strothmann (Präsidentin der Bielefelder Handelskammer), Burkhard Zurheide (1. Vors. des Anwaltvereins Bielefeld), Ltd. Regierungsdirektor Klaus Stoll (in Vertretung des Polizeipräsidenten), MdL Rainer Lux (CDU-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat Bielefeld) und viele weitere Personen des öffentlichen Lebens. 

Proteste sogenannter Antifaschisten

Schon in der Vergangenheit mobilisierten linke Kräfte in Bielefeld gegen die Teilnahme der B! Normannia-Nibelungen an dem Kommers und versuchten so, das kleine örtliche Korporationswesen zu spalten. Bis zum Jahr 2010 war es jedoch zuletzt zu keinen Aktionen mehr gekommen.

Dies änderte sich jedoch wenige Wochen vor dem diesjährigen Bismarck-Kommers. Die linke Szene mobilisierte auf mehreren Kanälen ihre Angehörigen und versuchte, die Öffentlichkeit zu erreichen. Diesmal richtete sich die linksextreme Agitation jedoch ausdrücklich gegen alle Verbindungen und nicht nur gegen die B! Normannia-Nibelungen. Die Veranstalter des anti-korporativen Aufmarsches betonten in einem Nachbericht ihren „Ansatz, die Auseinandersetzung mit dem Korporationswesen im Allgemeinen zu suchen“. Weiter heißt es in dem Bericht: „Unsere Themen als Antifaschist_innen sind und bleiben: Elitedünkel, Seilschaften, Sozialdarwinismus, Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Homophobie – Herrschaft und Ausgrenzung.“

In typisch antifaschistischer Manier wurde versucht, sämtliche Teilnehmer des Kommerses in die Nähe zum Rechtsextremismus zu rücken. Beklagt wurde die Verankerung der Bielefelder Korporationen in der Mitte der Gesellschaft. So stört es die Veranstalter der linken Aufmarsches schon, daß die Lokalpresse über zahlreiche Veranstaltungen der Bielefelder Burschenschaft positiv berichtet hatte. Schizophren mutet hierbei an, daß einerseits das sogenannte Antifa-Bündnis die gesellschaftliche Mitte als rechtsextrem angreift, jedoch angibt, genau diese Mitte durch ihre Kundgebung erreichen zu wollen.    

Vorgaukeln breiter Unterstützung

Das Bündnis der sogenannten Antifa bestand aus rund einem Dutzend Gruppierungen. Es handelte sich dabei um die üblichen lokalen Gruppen, deren Namen sich unter jedem linksextremen Aufruf der Region finden. Die Vielzahl der Gruppen resultiert wie üblich daraus, daß ein und dieselben Personen unter verschiedenen Namen auftreten. Um nur ein Beispiel zu nennen: „Antifa Detmold“ und „Plenum der Detmolder Antifa-Gruppen“ sowie die „Kulturinitiative Detmold e.V.“. Denn die „Kulturinitiative Detmold“ ist Betreiberin des linken Zentrums „Alte Pauline“, das wiederum den Detmolder „Antifas“ als Stützpunkt dient. Allein hieran wird deutlich, wie unverschämt auf diese Art und Weise der Öffentlichkeit eine breite Unterstützerbasis vorgegaukelt wird.

Auch das Bielefelder Studierendenparlament war sich nicht zu schade, sich in diese illustre Runde einzureihen. So schrieb am 19.03.2010 die StuPa-Vorsitzende Lisa Waimann (Grüne Hochschulgruppe) in einem elektronischen Rundbrief alle Bielefelder Korporationen an. Sie teilte wörtlich mit: „Das Studierendenparlament der Universität Bielefeld unterstützt den Aufruf zur antifaschistischen Kundgebung gegen den Bismarck Kommers am Freitag dem 19.03.2010 19-23 Uhr vor der Statdhalle Bielefeld.“ (Fehler im Original!)

EA und Musik

Wie bei linksextremen Demonstrationen üblich, wurde auch diese durch einen sogenannten Ermittlungssauschuß (EA) unterstützt. Es handelt sich hierbei um eine Gruppe von juristisch vor- und ausgebildeten Personen, die die Straßenkämpfer beraten und die Ermittlungen der Sicherheitsbehörden nach Kräften behindern. Kennzeichnend für die Gesinnung der EA ist zum Beispiel, daß die Polizei in Berichten grundsätzlich als „Repressionsorgan“ des Staates bezeichnet wird. EAs gibt es zum Beispiel in Aachen, Berlin, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Marburg und Münster.

In Bielefeld gastiert der EA-Zirkus im „ArbeiterInnen Jugendzentrum“ (AJZ). Das AJZ ist ein typisches linksextremes Zentrum. Unter einem Dach sitzen mehrere Gruppierungen. Der EA ist in diesem Fall dem „Infoladen Anschlag“ zugeordnet. Eine hauseigene Druck-GmbH eröffnet den Zugang zu günstigem Propagandamaterial. Die Druckerei spült zudem Geld in die Kassen, indem man z.B. vom AStA Druckaufträge erhält. Doch es wird nicht nur knallharte Klassenkampfpolitik gemacht. Um die Bielefelder Jugend anzulocken, werden regelmäßig Konzerte veranstaltet (z.B. Punk und Hip Hop). Musik ist eine der wichtigsten Werbemethoden von Linksextremisten für ihren Nachwuchs.     

So wurden auch auf der Gegendemo zum 70. Bismarck-Kommers die Teilnehmer mit Lautsprechermusik bei der Stange gehalten. Die Auswahl aus dem großen Fundus extrem linker Musikgruppen bestand unter anderem aus so wohlklingenden Vertretern wie „Tod und Mordschlag“ und „Früchte des Zorns“. Auch Musik der Bielefelder Gruppen „Madcap“ und „Ari und Rott“ wurde abgespielt (die Musiker von „Madcap“ zum Beispiel solidarisierten sich in der Vergangenheit unter anderem mit den sogenannten Elbterrorristen). Die Musik dient den Linksextremen aber auch dazu, trotz schwacher Präsenz, akustisch zu dominieren. 

Fazit

Alles in allem war der 70. Bismarck-Kommers in Bielefeld ein voller Erfolg. Die Ausgrenzungs- und Spaltungsstrategie der Linksextremisten ging nicht auf. Der insgesamt feste Zusammenhalt der Bielefelder Korporationen zahlte sich aus. Die beiden Bielefelder Lokalzeitungen quittierten die Gegendemo mit wenig bis gar keiner Erwähnung, während der Bismarck-Kommers selbst breiten Raum in der Berichterstattung erhielt. Der Protest am verregneten Freitagabend war somit im wahrsten Sinne des Wortes ein Schlag ins Wasser. Auch der Versuch einiger Teilnehmer, in die Stadthalle einzudringen, scheiterte.

Für das Jahr 2011 wurden jedoch schon weitere und heftigere Proteste gegen den Bismarck-Kommers und die Bielefelder Korporationen angekündigt. Außerdem wolle man als „Antifa“ bis dahin alle Bielefelder Studentenverbindungen verstärkt unter Beobachtung stellen. Nicht auszuschließen ist, daß soviel „antifaschistischer“ Tatendrang seine Kraft aus dem staatlich alimentierten, oft hauptberuflich geführten „Kampf gegen Rechts“ und dem sich selbst reproduzierendem „Antifa“-Milieu der Uni Bielefeld ziehen wird.

Quelle: Burschenschaftliche Blätter 02/2010


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