Sie sind hier: Wir über uns > Wir im Pressegespräch!

Wir im Pressegespräch!


 

Interview mit Nina Tiemann von der  Tageszeitung „Die Glocke“ (Oelde / Oktober 2007)

1. Wie viele Mitglieder hat die Verbindung?

Die Burschenschaft Normannia-Nibelungen setzt sich aus einem Altherrenverband (AHV) und der Aktivitas zusammen. Wir haben derzeit etwa 100 im Berufsleben stehende Alte Herren sowie 20 Aktive an der FH und Uni Bielefeld.

2. Wie ist sie organisiert? Beschreiben Sie die Hierarchie. Wie kann man innerhalb der Hierarchie aufsteigen?

Der AHV und die Aktivitas bilden gemeinsam die Burschenschaft. Jeder Teil handelt jedoch selbständig mit Rücksicht auf den anderen. Hierzu gibt es gemeinsame Convente für Absprachen – abgesehen davon besteht ohnehin ständiger Meinungsaustausch zwischen Alten Herren und Aktiven.

Die von Ihnen benannte „Hierarchie“ ist nichts anderes als eine Ausbildung, die man im Falle von Studentenverbindungen durch den Begriff Hierarchie gerne möglichst negativ darstellt. Im Verhältnis Azubi/Ausbilder würden Sie das nicht so harsch formulieren, oder doch?

Im Rahmen dieser Ausbildung sollen unsere Mitglieder lernen, wie sie sich gegenüber anderen Korporierten zu verhalten haben und wie das bundeseigene Zusammenleben funktioniert. Darüber hinaus sollen unsere Mitglieder spätestens als Bursche Verantwortung tragen können eine umfassende Allgemeinbildung besitzen.

Wer sich als Gast bei unserer Burschenschaft meldet und Interesse an einer Mitgliedschaft zeigt, wird Spefux genannt. Wer tatsächlich Mitglied wird, beginnt als Kraßfux.

Der Kraßfux wird durch den Fuxmajor im Rahmen von Fuxenstunden zu unterschiedlichsten Themenbereichen ausgebildet: Couleurstudentischer Umgang mit eigenen Bundesbrüdern und vor allem auch Mitgliedern anderer Korporationen; deutsche und europäische Geschichte; Mensurwesen.

Nach einiger Zeit erfolgt im Rahmen einer Brandungsprüfung eine Wissensabfrage. Hier wird in erster Linie das Wissen über die Geschichte unserer Burschenschaft abgefragt sowie Wissen über die anderen Bielefelder Korporationen. Besteht der Kraßfux die Brandungsprüfung, ist er Brandfux.

Etwa anderthalb Semester nach der Brandungsprüfung erfolgt die Burschenprüfung. Diese ist eine umfassende Prüfung zu den Themenbereichen deutsche Geschichte, Gesellschaft und Politik, Bundesgeschichte, Mensurwesen und dauert mindestens drei Stunden.

Nach bestandener Burschenprüfung folgt die Burschung, wenn der Fux zudem eine ziehende Mensur, ein erfolgreiches Fuxenreferat und einige Besuche bei anderen Korporationen vorweisen kann. Das Mitglied wird dann Bursche.

Ob Fux oder Bursche: Jedes Mitglied bekommt in unserem Bund Pflichten und Rechte. Ein Fux hat genauso Aufgaben zu übernehmen, wie ein Bursche. Streng genommen ist es natürlich so, daß Burschen aufgrund ihrer größeren Erfahrung auch die größere Verantwortung tragen müssen – man kann einem Fux schließlich keine Fehler vorwerfen, von denen er nicht wußte, daß es Fehler sind. Es wäre sogar ungerecht, einen Fuxen mit Ämtern zu betrauen, über die er z.B. nach einem Monat Mitgliedschaft noch gar nichts wissen kann.

Auf unseren Mitgliederversammlungen (bei uns: Convente) hat jedes neue Mitglied vom ersten Tag an die gleichen Stimm- und Rederechte wie ein Bursche. Füxe und Burschen bestimmen damit auch gleichberechtigt über die Besetzung der Ämter.

Die Leitung der Aktivitas nehmen die gewählten Chargen wahr: der Sprecher, der Fechtwart, der Schriftwart und der Fuxmajor. Auch ein Fux mit herausragenden Fähigkeiten kann durch den Convent bereits als Charge beauftragt werden.

3. Wo, wie und wann werden Fechtkämpfe ausgetragen?

Die Mensuren werden mit Angehörigen anderer waffenstudentischer Bünde ausgehandelt. Verantwortlich hierfür ist der jeweils amtierende Fechtwart unseres Bundes.

In der Regel schließen sich mehrere schlagende Korporationen zu einem Waffenring zusammen. Die Mensuren werden auf Mensurtagen des jeweiligen Waffenringes ausgetragen. Wir sind Mitglied des Niederdeutschen Waffenrings mit Sitz in Hannover. Jedem Bund steht aber auch die Möglichkeit offen, irgendwo anders in Deutschland nach Partien zu suchen.

Bei den zwei Pflichtpartien, die wir unseren Mitgliedern während ihrer Studienzeit abverlangen, wird darauf geachtet, daß der Gegenüber ähnliche Fähigkeiten besitzt – Tempo der Hiebe, Kraft, Technik. Wir lassen niemanden „in die offene Klinge laufen“, wie man hier schön passend sagen kann. Niemand wird überfordert oder einer Gefahr ausgesetzt. Wer nicht bereit oder „fit“ ist, muß weiterüben bzw. pauken bis zur Mensurreife.

Der Paukcomment regelt Waffen, Schutzwaffen und erlaubte Hiebe – er ist ein festes Regelwerk, an das sich beide Mensurmannschaften zu halten haben. Die Schutzkleidung ist Garant dafür, daß keiner der Paukanten tödliche oder schwerwiegende Verletzungen erleiden kann. Den berühmtberüchtigten Schmiß muß jeder Paukant im Rahmen des verbleibenden, gut kalkulierbaren Risikos in Kauf nehmen. In den Pflichtpartien ist das Verletzungsrisiko in unserem Waffenring gering. Auf den Schmiß wird es auch nicht angelegt: Wer eine gute Deckung und Technik hat, kann auch weit mehr als die Pflichtpartien ohne Kratzer bestehen.

Die Mensur dient im Waffenring nicht der Pflege von Feindschaften. Im Gegenteil: In unserem Waffenring haben alle Burschenschaften ein sehr freundschaftliches Verhältnis zueinander. Die Mensur ist waffenstudentische Tradition, erfordert Mut und stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Über den Ablauf des Paukens oder einer Mensur läßt sich nicht lehrbuchartig schreiben. Sie sind herzlich eingeladen, sich eine Paukstunde bei uns anzuschauen. Unten sind zwei Bilder, die nur momentartig Szenen eines Mensurtages zeigen.


Bild oben: Ehrengang nach der Mensur -
eine Geste gegenseitigen Respekts


Bild oben: Nach bestandener Mensur; klar
erkennbar ist die umfangreiche Schutzkleidung

4. Wie sieht die Uniform aus?

Wir tragen keine Uniformen. Auf unserem Mittwochstreff oder anderen einfachen Treffen trägt jeder das, was er gerne trägt. Dazu außerdem Band, Mütze und Zipfel, die wir nicht als Uniform bezeichnen.

Auf offiziellen und hochoffiziellen Veranstaltungen (z.B. Vortragsabende oder Stiftungsfest) tragen alle Bundesbrüder dunkle Anzüge mit Hemd und Krawatte. Auch hier kann von Uniformen nicht gesprochen werden – es kauft jeder seinen Anzug nach eigenem Geschmack. Alles andere wäre Unsinn!

Nur auf Kneipen und den festlicheren Kommersen gibt es Chargierte, die den Chargenwichs tragen. Eine Beschreibung ist wenig hilfreich – Sie sind auch hier herzlich eingeladen, sich das selbst anzuschauen.

5. Nehmen Sie auch Frauen auf?

Die Frauen von Alten Herren sind bei uns Bundesschwestern. Wir haben auch noch Kontakt zu Bundesschwestern verstorbener Alter Herren.

Die Aktivitas selbst nimmt keine Frauen auf. Das wird immer wieder gerne als Argument gegen Burschenschaften ins Feld geführt. Aber im Ernst: Würden Sie einem Männergesangsverein diese Frage auch stellen?

6. Welchen Nutzen hat Ihre Verbindung für die Mitglieder?

Ganz abgesehen vom Spaß in der Gemeinschaft? Ganz abgesehen vom Anlaufpunkt Verbindungshaus, wo man in einer Freistunde auch mal was kochen oder die Beine fern der Hektik der Unihalle hochlegen kann?

Wer die Fuxenausbildung durchläuft und danach als Bursche am Bundesleben teilnimmt, erhält zum einen ein solides Fundament an Allgemeinwissen, das wir auch im Rahmen von Vortragsabenden und Diskussionen untereinander erweitern und vertiefen.

Zum anderen erlernt man im täglichen Bundesleben soziale Kompetenzen, wie sie an der Universität kaum Beachtung finden. Eine Burschenschaft funktioniert nur, wenn man Kompromisse eingeht, auch mal eine demokratische Abstimmungsmehrheit akzeptiert, Argumente austauscht usw. Jeder Aktive – auch anderer Verbindungen – wird Ihnen bestätigen, daß das im Kreise der Aktivitas viel offener und intensiver stattfindet, als im Hörsaal oder Seminarraum der Uni.

Des weiteren bereitet das Bundesleben sozusagen wie von selbst und nur dadurch, daß es ist wie es ist auf das Berufsleben vor. Wer bei uns als Sprecher für ein oder zwei Semester die Aktivitas geleitet hat, wird beim Einstieg in den Beruf bereits sehr gut wissen, was es heißt, Menschen zu führen, Veranstaltungen und Sitzungen zu planen und zu koordinieren, Referenten zu betreuen usw. Welcher einfache Student kann schon von sich behaupten, z.B. ein Stiftungsfest mit 100 Teilnehmern geplant zu haben? Wer kann von sich behaupten, einen namhaften Referenten betreut zu haben – von der Einladung bis zur Zimmerreservierung und der Veranstaltung selbst? Wer das als Chargierter bei uns erlebt, den kann eine Stellenanzeige mit Anforderungsprofil „Personalführung und Organisation“ nicht mehr abschrecken. Das gilt auch für die Ämter des Schriftwartes, Fechtwartes, Fuxmajors oder Kassenwartes – wer hierfür nicht geboren wurde, der lernt es bei uns und wird nach dem Studium sehr froh darüber sein.

Schließlich sind alle unsere Mitglieder dazu angehalten, nicht nur an sich zu denken. Unsere Bundesbrüder sind dazu bereit, auch Verantwortung zu übernehmen und ihre persönlichen Fähigkeiten für das Gemeinwohl einzusetzen. Das mag blauäugig klingen, ist aber so. Unser Wahlspruch „Gott – Ehre –Freiheit – Vaterland“ läßt keinen Platz für Egoismus und Karrieregeilheit. Wo Hilfe gebraucht wird, stehen wir gerne zur Seite: Ob beim Elbehochwasser oder Denkmalpflege in Ostwestfalen – wir packen an, wo andere nur in die Glotze starren.

 

 Ich will mehr Info


Burschenschaft Normannia-Nibelungen • Schloßhofstr. 96 • Bielefeld • +49 521 894108 • E-Post: aktivitas@normannia-nibelungen.de • Facebook • Youtube