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Atome, Sonne, Öl und Wind


Bielefelder Ideenwerkstatt über Rohstoffe und die Energiequellen der Zukunft

Zum Thema „Energie- und Rohstoffmangel – die Welt am Scheidepunkt?“ veranstaltete die Burschenschaft Normannia-Nibelungen am 8. und 9. November 2008 ihre IV. Bielefelder Ideenwerkstatt. Sechs Fachleute aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft stellten ihre Analysen und Zukunftskonzepte einer interessierten Zuhörerschaft zur Diskussion vor. Es ging um die Frage, wann uns die Rohstoffe für Energieversorgung und das tägliche Leben ausgehen. Aber auch darum, wie wir als Deutsche und Menschheit den bereits akutwerdenden Problemen in Zukunft entgegentreten.

Blick auf die Zusammenhänge

Eröffnet wurde die IV. Bielefelder Ideenwerkstatt von Prof. Dr. Siegmar-Walter Breckle (Universität Bielefeld). Mit seinem Vortrag über „Nachhaltige Ressourcennutzung aus global-ökologischer Sicht“ vermittelte er den Teilnehmern durch eine gut bebilderte Präsentation Basiswissen über Wasser, Rohstoffe, Energie und Organismenvielfalt. Rohstoffe seien endlich. Auch die Verfügbarkeit von Uran für die Kernenergie sei nur für einige Jahrzehnte gewährleistet. Dies gelte auch für andere Rohstoffe, ohne die z.B. die heutige Kommunikations- und Unterhaltungstechnik nicht mehr herstellbar sei. Sogar für uns selbstverständliche Dinge wie sauberes Trinkwasser werde in der Zukunft noch knapper, als es bereits heute sei. Deutlich warnte der Bielefelder Ökologieforscher daher vor der Verschwendung von Ressourcen aller Art und regte zu einer nachhaltigen Politik an.

„Energiesicherheit gibt es nicht!“

Mit seinem Vortrag „Sicherstellung der Energieversorgung Deutschlands unter Berücksichtigung des zentralasiatischen Raumes“ kritisierte Prof. Dr. Rainer Mennel (FU Berlin) scharf die Verfehlungen der deutschen und europäischen Energiepolitik. Rußland nutze seine Stellung auf dem Gasmarkt für seine nationalen Interessen eiskalt aus, während Europa nicht in der Lage sei, mit einer Stimme zu sprechen, um sich aus der Abhängigkeit von russischem Gas zu lösen. „Aus diesem Grund und der weltpolitisch instabilen Lage“ urteilte der Militär- und Geopolitikexperte Mennel, „führt kein Weg an der Kernkraft vorbei.“

Kritik am EEG

Einen spontanen Kurzbeitrag steuerte Heinrich Düpmann (Sprecher der Nationalen-Anti-EEG-Bewegung, NAEB) bei. Er kritisierte die Kosten von Windstrom und stellte die NAEB vor. Ziel der NAEB sei es, die Subventionen für ihrer Meinung nach ökologisch und wirtschaftlich unsinnige Stromprodukte aus Sonne und Wind aus dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) zu streichen. Denn hierdurch würde der Bürger durch Zwang mit Mehrkosten im Strompreis belastet. Wind- und Solarenergie seien zu teuer, zu ineffizient und gefährdeten zudem die Stromnetzstabilität.

Kernenergie nutzen

Auch Prof. Dr.-Ing. Helmut Alt (FH Aachen und langjähriger Mitarbeiter der RWE AG) sprach sich in seiner Darstellung über „Energieversorgung im Spannungsfeld von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft“ für die Nutzung der Kernenergie aus. Der Vorteil der Kernenergie liege nicht nur im Preis, sondern vor allem in der konstanten Energieversorgung, die z.B. durch Windkraft nicht sichergestellt werden könne. Selbstverständlich sei es zu wünschen, daß eine Energieversorgung durch Wasser, Sonne und Wind möglich sei. Faktisch sei dies aber nicht zu verwirklichen. Deutsche Kernkraftwerke seien zudem die sichersten der Welt. Hieran habe er als erfahrener Elektrotechniker keinen Zweifel. Alt zeigte sich enttäuscht darüber, daß bei Diskussionen über Kernenergie falsche Zusammenhänge zur Stimmungsmache konstruiert würden. Laien wollten darüber urteilen, was Ingenieure von der Pieke auf gelernt hätten. Prof. Alt wörtlich: „Ich würde mir meinen Blinddarm von einem Mediziner entfernen lassen und nicht von einem Elektrotechniker. Sie doch auch. Aber warum will jeder Laie einem Elektrotechniker seinen Beruf erklären, wenn es um Kernenergie geht?“

Bescheidener Lebensstil

Am Sonntag eröffnete Wolfram Bednarski mit seinem Appell für „Politische Ökologie im Zeitalter der Globalisierung“ den zweiten Veranstaltungstag. Das Gründungsmitglied der einst konservativ-patriotischen Partei „Die Grünen“ forderte: „Die Ökologie muß den absoluten Vorrang in der Politik haben, nicht der Kapitalismus oder Minderheiteninteressen linker Ideologen!“ Nachhaltiger Natur- und Umweltschutz seien nur durch regionale und nationale Strukturen zu schaffen, um die Vielfalt von Pflanzen und Tieren, aber auch der verschiedenen Völker, zu erhalten. Denn auch die Einwanderungspolitik in das dichtbesiedelte Deutschland sei mit einer ganzheitlichen Lebensweise nicht vereinbar. In der anschließenden Diskussionsrunde bemängelte der Referent die heutige Verantwortungslosigkeit der Menschen mit ihrem maßlosen und unersättlichen Konsum. Ein Umdenken müsse durch das Vorleben weniger Eliten erfolgen und dürfe nicht nur Trend sein, wie z.B. der derzeitige Boom von Bioprodukten.

Sonnenlicht: Kostenlos und grenzenlos verfügbar

Der Wiener Publizist und ehemalige Europaabgeordnete Dr. Hans Kronberger verwies in seinem Vortrag „Kein Öl, kein Gas. Gute Nacht Europa? Auswegstrategien für eine saubere Zukunft.“ auf die vielen Faktoren der Energiepolitik, glaubt jedoch nicht an eine Renaissance der Kernenergie. Vielmehr müsse man sich die Kraft der Sonne zu Nutzen machen. Sie sei die perfekte Energiequelle durch Kernfusion und das in sicherem Abstand. Eine dezentrale Energiegewinnung mit Hilfe der Photovoltaik schaffe nicht nur Unabhängigkeit von Rohstoffen und den Ländern, die sie besitzen. Sondern sie verringere gleichzeitig auch die Gefahr der Konflikte um die kostbaren Rohstoffe Öl und Gas.

Energie durch Wasserstofftechnik

Prof. Diplom-Physiker Sigurd Schulien (FH Wiesbaden) verdeutlichte in seinem Beitrag mit dem Titel „Ein Weg aus der Abhängigkeit von Erdöl – Nutzbarmachung der Wasserstofftechnik“ jedoch die Wichtigkeit der Kernenergie als Übergang, bis es möglich sei, den durch regenerative Energien erzeugten Strom auch speichern zu können mit Hilfe der Wasserstofftechnik; denn: „Ohne Speicherung sind regenerative Energien nur Spielerei“. Durch das auch heute noch geltende Verbot der Nutzung der Kohleverflüssigung zur Gewinnung von Benzin, welches die Amerikaner nach dem 2. Weltkrieg erlassen haben, und durch den beschlossenen Ausstieg aus der Kernenergie stecke Deutschland in der Sackgasse und danke als Industrienation ab. Zum Ende hin gab der Professor noch eine Warnung mit auf den Weg: „Die Technikfeindschaft in unserem Land ist nicht nur schädlich, sondern tödlich für unser Land!“.

Angeregte Podiumsdiskussion

Die von der Brauerei Barre aus Lübbecke gesponserte IV. Bielefelder Ideenwerkstatt endete mit einer Podiumsdiskussion, bei der die Referenten und die rund 50 Gäste abschließend noch einmal intensiv das Thema „Energie- und Rohstoffmangel – die Welt am Scheidepunkt?“ von allen Seiten beleuchteten.

Die Fragen, wann und ob ein Atomausstieg möglich sei, ob Energiekonzerne in staatliche Hände gehören und wie es mit den erneuerbaren Energien künftig weitergeht, konnten selbstverständlich nicht mit Patentrezepten abschließend geklärt werden. In Sachen Atomausstieg ging jedoch die Meinung einhellig dahin, daß dieser möglich sei. Ob jedoch möglichst schnell (Bednarski) oder in etwa 20 bis 40 Jahren (Alt und Schulien) blieb streitig.

Konsens bestand unter den Fachleuten darüber, daß die wachsende Weltbevölkerung samt der Einwanderung in das dichtbesiedelte Europa zu den derzeit größten Problemen gehöre.

Alles in allem waren sich die Referenten einig, daß in den Medien zuviel Panikmache zu diesen Themen herrsche, die kein seriöser Wissenschaftler bestätigen könne.

Zuhörer und Vortragende bestätigten schließlich, daß der intensive Meinungs- und Argumentationsaustausch auf der IV. Bielefelder Ideenwerkstatt ihnen eine ganz neue Sichtweise auf das vielschichtige Thema eröffnete. Oder wie es ein Teilnehmer aus der ökologischen Bewegung formulierte: „Ich werde nicht nur mit angstvollem Bangen nach Hause fahren, sondern auch mit einer großen Portion Hoffnung für die Zukunft.“

Quelle: DIE AULA, 1/2009


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