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Freiherr Heereman von Zuydtwyck Festredner bei Burschenschaft
Westfalen-Blatt, 5.11.08
Lübbecke / Hüllhorst (hlk). Seit 60 Jahren gibt es in Lübbecke die Vereinigung Alter Burschenschafter (VAB), ein geselliger Zusammenschluss von Mitgliedern der Burschenschaften (Studentenvereinigungen) an deutschen Hochschulen.
Der Vorsitzende, Apotheker Hermann Ludwig Kottmann, hieß jetzt zum sechsten Nullgeburtstag neben Vertretern anderer Studentenverbindungen(Landsmannschaften, Turnerschaften, Corps, Deutsche Sängerschaft und Deutscher Wingolf) insbesondere den Festredner Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck sowie Bürgermeister Wilhelm Henke willkommen. Aktive Mitglieder der Burschenschaften Normannia Nibelungen Bielefeld und Franconia Münster gaben dem Festkommers einen würdigen Rahmen.
Hermann Ludwig Kottmann erinnerte an die Gründung der VAB Lübbecke am 18. Juni 1948, also einen Tag vor der Währungsreform. »Die Zeche des Gründungsabends musste noch in Reichsmark bezahlt werden« , sagte Kottmann. Gründer waren damals der Medizinaldirektor Dr. Paul Beckmann, der Rechtsanwalt und Notar Dr. Karl Bunke sowie der Arzt und Zahnarzt Dr. Dr. Heinz Dettmer (Rahden).
Die VAB hält nicht nur regelmäßige Stammtische ab, um den Gedankenaustausch zu pflegen, sondern veranstaltet zum Beispiel in jedem Jahr eine überregional bekannte Weihnachtsfeier, früher auf dem Limberg und heute bei der Familie Blotevogel in Heddinghausen. Daneben hat sie in den vergangenen Jahren etliche Reisen organisiert, nicht nur nach Paris, sondern insbesondere nach der Wende in die ehemalige DDR. Mit launigen Worten stellte Kottmann den Festredner Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck vor, der lange Zeit als Politiker, Bundestagsabgeordneter, Präsident des deutschen Bauernverbandes und des deutschen Jagdschutzverbandes gewirkt hat. Zwei seiner alten Weggefährten wurden ebenfalls von Hermann Ludwig Kottmann begrüßt, nämlich der ehemalige Vizepräsident des Westfälisch Lippischen Landwirtschaftsverbandes, Horst FischerRipe aus Hücker Aschen, und der ehemalige Vizepräsident des Provinzial Reiterverbandes, Fritz Goedecke aus Hüllhorst. »Es ist heute wie früher wichtig, dass sich der Einzelne für die Gemeinschaft einsetzt und nicht ständig danach fragt, was der Staat für ihn tun könnte«, betonte Festredner Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck. Die Verbindungen leisteten wichtige Arbeit in der Erziehung der jungen Studenten zum Dienst an der Gemeinschaft, aber auch zum politischen Engagement, wobei die deutsche Burschenschaft laut Satzung allerdings parteipolitisch neutral sei.
Gerade in Zeiten, wo die soziale Schere auseinander gehe, bestehe die Gefahr des Abdriftens in eine radikale Richtung, was durch zwei starke Volksparteien verhindert werden könne. Er kritisierte die Zusammensetzung des Parlaments mit den vielen Berufspolitikern ohne Erfahrungen in einem erlernten Beruf. Seiner Meinung nach gehörten unabhängige Menschen ins Parlament, »die nicht aus beruflichen Gründen nach der Pfeife der Parteien tanzen müssen«. Heereman forderte die Mitglieder der Burschenschaften auf, sich ihrer Vorbildfunktion bewusst zu sein und die jungen Mitglieder ihrer Studentenverbindungen zum Dienst am Nächsten anzuhalten.
Artikel vom 05.11.2008, Westfalen-Blatt